Master Thesis

Eine kritische Betrachtung des Gardening Trends oder: Macht das Sinn, dass alle jetzt Gartln?

Meine Diplomarbeit thematisiert den Trend zum „Garteln in der Stadt“ und dessen Rolle in der Entwicklung urbanen Lebens. Sie liefert Erkenntnisse um die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit Gemüse und deren Wachstum, und fragt nach Möglichkeiten der Pflanzenzucht auch ohne Garten und Balkon.
Geht man von aktuellen Schätzungen aus, werden im Jahr 2050 rund 80 Prozent der erwarteten 9,3 Mrd. Menschen in Städten leben. Diese Urbanisierung, gekoppelt mit der Industrialisierung der Ernährung, bringt auch eine fortschreitende Entfremdung von Natur und Lebensmitteln mit sich.
Seit einigen Jahren erblüht nun die Lust am urbanen Pflanzen und Ernten. Obwohl Stadtmenschen ein etwas distanzierterer Zugang zur Landwirtschaft nachgesagt wird, streben plötzlich viele eine Ernte von selbstgezogenem Gemüse an. Wurden die neuen urbanen GärtnerInnen nach den Finanzkrisen der letzten Jahre finanziell dazu gezwungen oder liegen doch andere Reize hinter dem Trend?

Neben der Suche nach Motiven widmet sich diese Thesis auch der Frage der ökonomischen sowie ökologischen Nachhaltigkeit einer Aufzucht in privaten Innenräumen.
Die Arbeit spannt den Bogen zum Studienfach „Industrial Design“ mit der kritischen Analyse von „Indoor Gardening“-Produkten, die AmateurgärtnerInnen unterstützen wollen. Diese leisten zwar – durch die steigenden Umsätze – einen wirtschaftlich positiven, aber auch einen ökologisch negativen Beitrag zur Gesellschaft. Da viele Produkte Großteils ohne menschliche Interaktion agieren, geht zudem der Grundgedanke des „Gartelns“ verloren. Der Fokus beschränkt sich auf die Ernte, weniger auf die Entwicklung der Pflanze.
Im Zuge der Forschung stellte sich jedoch heraus, dass auch für die meisten AmateurgärtnerInnen, bewusst oder unbewusst, die Ernte gar nicht im Vordergrund steht. Es geht vielmehr um das Gärtnern an sich, um die Arbeit und die Auseinandersetzung mit Pflanzen. Immerhin leitet „Amateur“ sich vom lateinischen „amator“, dem Liebhaber, ab und beschreibt eine Person, die im Gegensatz zum Profi, eine Tätigkeit rein aus Liebe zur Sache ausübt.
Indoor Gardening – als Teil des Urban Gardening Trends – wird von mir als Chance gesehen, um auch ohne Garten und Balkon das Wachstum von Gemüse selbst zu erleben und um ein kritisches Bewusstsein zu entwickeln.
Mein Appell lautet daher, mit einfachsten Mitteln den Versuch zum „Gemüsegarteln“ zu wagen. Als konkrete Empfehlung ist die Aufzucht von kompaktem Gemüse wie Salate, Paprika oder Buschtomaten ideal. Im Frühjahr erwirbt man am besten Bio-Jungpflanzen und pflanzt sie gleich in größere Gefäße um. Danach stellt man sie auf eine sonnige Fensterbank, bewässert nicht zu viel und nicht zu wenig, beobachtet, erlebt mit allen Sinnen und freut sich, wenn man etwas ernten und genießen kann.
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